S +2
Ich habe heute an nichts Anderes als an S gedacht. Musik, Podcasts, NDR Dokus auf Youtube, F1 Sprint - nichts konnte mich wirklich ablenken. Jetzt sitz ich schon wieder hier und versuche meine Gedanken zu sortieren.
Du kannst die gemeinsame Zeit mit jemanden geniessen und Dir vielleicht auch mehr wünschen. Dir ist aber die ganze Zeit bewusst, dass das sehr unwahrscheinlich wirklich funktionieren würde und bist eigentlich happy damit.
Dann siehst Du Werbung für ein Konzert von O in der Nähe, klickst auf den Link weil Du ihn schon seit Jahren gerne mal live sehen möchtest. 2 Tickets sind vorausgewählt, allein hingehen ist ja auch irgendwie traurig. Zwei oder nur eins? - Du fragst Dich wer könnte da mitkommen? Dir fallen genau 2 Personen ein und klickst auf Bestellen, wird schon klappen...
Ein paar Tag später holst Du die Tickets aus dem Briefkasten. Nun musst Du sie fragen, ich schreibe also irgendwann mitten in der Nacht:
Nächsten Dienstag spielt Olli Schulz live in Zürich. Den wollte ich schon immer mal Live sehen, seit ich einen Mitschnitt seiner SOS Tour 2012 gesehen habe. Ich habe 2 Tickets gekauft, auch in der Hoffnung dass Du vielleicht mitkommst, allein aufm Konzert ist ja auch eher traurig - Ja, das ist der mit „Keine Angst vor der Angst“ bei der Sesamstrasse. :) Es ist wahrscheinlich nicht ganz Deine Musik (er kennt sich aber super im Rap-Game aus). Ich verspreche Dir, Du wirst Ihn cool finden und es wird ein sehr unterhaltsamer Abend werden. Kommst Du mit oder muss ich für Dein Ticket jemanden anderes suchen?
Am nächsten Morgen antwortet S.
Müsste mal schauen... hört sich gut an.
Am Abend dann die Absage:
Wäre gerne mitgekommen aber, [...] Müsstest wohl jemand anderen mitnehmen tut mir leid!
Ich antworte:
Ok. Schade.
Am nächsten Tag sitze ich im Homeoffice und ahne nichts Böses. Am Freitag zurück in der Firma sperrt S sich die komplette Mittagspause auf dem WC ein. Als ich am Nachmittag einmal zu Ihr gehe um ein bisschen zu quatschen bekomme ich nur die Antwort: Kreditoren!
Kurze Zeit später begegnen wir uns in der Spedition und es war so kalt, so unangenehm.
Am daraufolgenden Montag betrete ich die Küche, S sitz da und tut so als würde ich nicht existieren. Während ich meinen Tee zubereite holt sie ihr Essen aus der Mikrowelle und verschwindet hinter meinem Rücken an Ihren Platz.
Am Abend schreibe ich Ihr per Insta:
Sorry, aber ich muss wissen was los ist.
Hab ich was falsch gemacht? Warum zeigst Du mir nur noch die kalte Schulter?
Ist es weil ich Dich gefragt habe ob Du mit zum Konzert kommst? Bist du deswegen sauer?
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Ich habe hier keinerlei Freunde, schade dass mir bei einer Suche für eine Konzertbegleitung nur Menschen von der Arbeit in den Sinn kommen. Ich habe damit meine liebste Kollegin so verschreckt, dass Sie keinerlei Kontakt mehr mit mir haben will und ich vor den nächsten Wochen echt Angst habe.
Mir wurde klar, dass ich seit Jahren so verdammt einsam bin und mein komplettes soziales Leben nur auf der Arbeit stattfindet. Das muss sich ändern.